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Die „Rote Liste – ein Denkmalgewissen für Deutschland“ geht an den Start

13.12.2019

Bonn. Mit dem 9. Dezember 2019 hat der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. sein Projekt „Rote Liste“ gestartet. Als ein „Denkmalgewissen für Deutschland“ präsentiert die neue Website des Verbandes Denkmäler, die in Gefahr geraten oder akut bedroht sind. Oft drohen der vollständige Verlust oder eine tiefgreifende Veränderung des Denkmals. Die Porträts stellen neben dem jeweiligen Objekt die Hintergründe und die aktuelle, oft komplexe Entscheidungssituation dar und zeigen die Rolle der beteiligten Akteure auf.

Dr. Martin Bredenbeck, Vorstandsmitglied für die Berufsgruppe Denkmalpflege, verdeutlicht die Zielrichtung der Roten Liste: „Der Verband ist überzeugt, dass in allen vorgestellten Fällen zugunsten des Denkmals entschieden werden kann. Wie beim Naturschutz halten wir die Bedrohung für menschengemacht und verhinderbar; daher wollen wir kritisch auf Verhaltens- und Argumentationsmuster aufmerksam machen und die Kolleg*innen der Denkmalpflege stärken.“ Prof. Dr. Iris Wenderholm, Zweite Vorsitzende des Verbandes, hebt die Reichweites des Projektes hervor: „Die Rote Liste wird deutschlandweite Beispiele präsentieren. Sie profitiert vom Mitmachen engagierter Bürger*innen, die uns ihre Vorschläge machen. Wir müssen gemeinsam unserer Verantwortung für eine lebenswerte, unser kulturelles Erbe respektierende Umwelt gerecht werden.“

Unter den ersten vorgestellten Projekten sind gleich zwei Kandidaten, deren Abbruch einen kaum gutzumachenden Kulturgutverlust bedeuten würde: Die Kuranlagen aus den 1930er Jahren in Bad Neuenahr sind ein seltenes Zeugnis der Klassischen Moderne in Rheinland-Pfalz und stehen als einer der wenigen Neubauten dieses Typus in der damaligen Zeit deutschlandweit einzigartig da. Die Stadt hat lediglich ein Schadens-, jedoch kein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben. Die Reste des Jüdischen Tempels von 1844 in der Hamburger Poolstraße sind ein unverzichtbares Dokument für die Geschichte des liberalen Judentums, dessen architektonische und liturgische Neuerungen von einer zunehmenden Emanzipation der Menschen jüdischen Glaubens kündeten. Die Synagoge, von der Foundation for Jewish Heritage, London, in die „Top 19 Watchlist“ der am stärksten bedrohten jüdischen Relikte in Europa aufgenommen, war der weltweit erste Tempel des liberalen Judentums, dem Wegbereiter für die gleichberechtigte Rolle von Männern und Frauen im Gottesdienst. Es droht der Zusammensturz der Ruine, die seit Jahren ungeschützt der Witterung ausgesetzt ist. Ob ein etwaiger neuer Eigentümer bei einem Neubauvorhaben angemessen mit diesem Kulturerbe umgehen wird, ist ohne öffentliche Einwirkung völlig offen.

Die Rote Liste wird fortlaufend erweitert. Eine Redaktion und ein ehrenamtlicher Beirat wählen aus den eingereichten Vorschlägen die Veröffentlichungen aus und betreuen sie. Hinweise sind hochwillkommen – von Studierenden, engagierten Bürger*innen und der Fachcommunity. Das Projekt möchte sich mit den zahlreichen aktiven Denkmalinitiativen in Deutschland vernetzen, um gemeinsam ein Denkmalgewissen zu werden.

 

Die Rote Liste im Internet: https://kunsthistoriker.org/rote-liste/

Ansprechpersonen sind Dr. Martin Bredenbeck () und Prof. Dr. Iris Wenderholm ()

13.12.2019 – Rote Liste: Ein Denkmalgewissen für Deutschland (63 KB)