Eine Stunde Kunstgeschichte in Minden

Mai 2012: Lernort Mindener Dom. Gymnasiasten und Grundschüler eines naturwissenschaftlichen Projektkurses zu Besuch im Mindener Dom


Stefan Welzel, Herder-Gymnasium Minden und Prof. Dr. Barbara Welzel, Technische Universität Dortmund

Was machen naturwissenschaftliche Wahlpflichtkurse in einer Kirche? Eine Antwort gaben die 9.-Klässler des Herder-Gymnasiums und deren Kooperationsklassen der Grundschule Kutenhausen. Sie erlebten den Mindener Dom als vielfältigen Lernort. Ein Schuljahr lang hatten sie sich mit Farb- und Klebstoffen beschäftigt. Nun trafen sie sich zu dem Vor-Ort-Termin im Mindener Dom, der als Ort des Erkenntnisgewinns und kunsthistorischer Forschung vorgestellt wurde. Dabei stand das Thema „Farben“ im Mittelpunkt. So konnten

sich einfache Menschen zur Bauzeit des Mindener Doms nur ungefärbte oder mit Erdtönen gefärbte Stoffe leisten. Im Gegensatz dazu waren die Kirchen – anders als heute – innen oft vollständig bemalt. Im Mindener Dom ist dies noch an einem der Pfeiler zu erahnen. Die bunten Fenster machten die Kirchen in besonderer Weise zu einem Licht- und

Farbraum. Sie dienten auch dazu, in der Dunkelheit diese Farben  nach außen in die Stadt hinein sichtbar zu machen, denn Kirchen wurden im Gegensatz zu anderen Gebäuden mit Kerzen und nicht mit Feuern oder Fackeln beleuchtet.

Hier war nun die Schnittstelle für die Zusammenarbeit des Herder-Gymnasiums mit der Kunstgeschichte, denn die Naturwissenschaften liefern das Hintergrundwissen über Herkunft und Zusammensetzung von Farben und Farbstoffen. Dabei geht es nicht nur um die Farben selbst, sondern natürlich auch darum, welche Zusätze verwendet wurden, um sicherzustellen, dass die Farbstoffe auf den Untergründen haften bleiben.

Am Beispiel Mindener Dom lernten die Schülerinnen und Schüler, dass in früheren Zeiten Farben in wertvolle und weniger wertvolle Farben unterteilt werden konnten. Wertvolle, teure Farben wurden häufig aus pulverisierten Edelsteinen und Halbedelsteinen hergestellt, ein besonders schönes Rot aus Cochenille-Läusen. Diese Farben waren intensiver und im Gegensatz zu den preiswerteren, weniger wertvollen Farben beständig gegen Ausbleichen durch Licht. Schnell war den Schülerinnen und Schülern klar, dass im Mindener Dom weniger wertvolle – und somit nicht lichtechte – Farben für die Innenverzierung verwendet worden waren.

Am Ende einer informativen Veranstaltung stand für alle Beteiligten fest, dass auch im nächsten Jahr eine ähnliche Veranstaltung stattfinden soll. Das Herder-Gymnasium und die Grundschule Kutenhausen möchten auch weiterhin im Rahmen einer Kooperation ihren Schülerinnen und Schülern ungewöhnliche Lernsituationen bieten. Durch die Zusammenarbeit mit der Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dortmund sollen für die naturwissenschaftlichen Kurse zusätzliche Anreize geschaffen werden, sich mit wissenschaftlichen Anwendungsgebieten außerhalb der eigentlichen Fächer Biologie, Chemie und Physik auseinanderzusetzen.

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