Eine Stunde Kunstgeschichte in Hamburg

Das Tier in der Kunst

Julia Roolf, M.A.

Schule: Grundschule Döhrnstraße, 22529 Hamburg
Klasse: Vorschulklasse (20 Kinder im Alter von 5 und 6 Jahren)
Thema: Das Tier in der Kunst
Datum: Januar 2014
Vorgestellte Tiere: Der Hund, die Katze, das Pferd, die Vögel

Anschauungsmaterial:

  • Ausstellungskatalog: Museum für Angewandte Kunst Frankfurt am Main (Hrsg.): "Ein Platz für Tiere. Die keramischen Tierdarstellungen im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt." Ausstellung anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Zoologischen Gartens Frankfurt, Frankfurt 2008.
  • Drei Bilder von Arcimboldo aus der Reihe der vier Elemente: Die Erde, die Luft, das Wasser
  • Tierbilder von Franz Marc
  • Objekte aus dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (eine Exkursion zu diesem Museum ist im Rahmen der Ferienbetreuung geplant)

Das Projekt wurde während der Nachmittagsbetreuung angeboten. Das Thema "Das Tier in der Kunst" wurde aus verschiedenen Gründen gewählt:

  • Kinder im Vorschul- und Grundschulalter interessieren sich sehr für Tiere. Man findet also leicht einen Einstieg, beispielsweise über eigene Haustiere, Lieblingstiere etc.
  • Ich habe selber den Katalog "Ein Platz für Tiere" geschrieben und hatte daher einen persönlichen Bezug zu dem Thema
  • Das Einbeziehen dreidimensionaler Darstellungen bietet sich an
  • Das Thema hat viel kreatives Potential. Im Anschluss daran entstanden spontan etliche Zeichnungen und Gemälde zu dem Thema.

Nach einer kurzen Einleitung mit Hilfe der Bilder von Arcimboldo, die die Tiere der Erde, der Luft und des Wassers zeigen, wurden vier Tiere (Hund, Katze, Pferd und Vögel) vor­gestellt. Zu jedem Tier wurden drei sehr unterschiedliche Abbildungen gezeigt. Mal war das Tier sehr wirklichkeitsgetreu und mal sehr abstrakt dargestellt, mal gemalt und mal geformt. Kunsthistorisch wurden möglichst viele Kulturen und Epochen abgedeckt: Ägypten, Antikes Rom, Japan, Renaissance, Barock, Klassizismus, Expressionismus, Art Deco, Moderne. Die verschiedenen Epochen wurden allerdings nicht ausgewählt, um die kunsthistorische Chronologie begreiflich zu machen, dafür sind Kinder im Vor­schulalter noch nicht aufnahmefähig. Ihr Interesse liegt eher im Alter der Objekte an sich. Es ging vielmehr um die unterschiedliche Art der Darstellung, die sich an Objek­ten verschiedener Epochen zeigen lässt. Bei den dreidimensionalen Kunstwerken wur­de auch über die Funktion der Objekte gesprochen. Besonders amüsant fanden alle die Fayenceterrinen in Tierform, die durch ihre Form auf den Inhalt der Sup­pen­schüs­sel hinweisen. Ein Vorschüler malte daher das Bild im Anhang, das eine Widder­kopfterrine zeigt.

Überrascht hat mich die schnelle Auffassungsgabe der Kinder und ihre unbefangene Herangehensweise an die Kunst. Wie zu erwarten war, konnten alle Kinder bei den Bil­dern Arcimboldos die einzelnen Tiere benennen. Aber sie erkannten bei größerem Ab­stand auch sofort das menschliche Gesicht, das aus den Tieren gebildet ist. Er­wachse­ne brauchen dafür viel länger, denn sie denken meist zu viel nach. Auch bei den nur noch entfernt an Gegenständliches erinnernden, späten Werken Franz Marcs hatten die Kinder kein Problem, in den Farben und Formen Tiere zu erkennen. Sehr schnell kamen die Kinder zu der Erkenntnis, dass in der Kunst nicht alles so darge­stellt werden muss, wie es in der Realität aussieht. Die Tatsache, dass die Kunst eine Art Geheimsprache besitzt und ein Tier auch ein Symbol sein kann, griffen alle schnell auf und machten beim Erraten der Symbole mit. 

Aufgrund des großen Interesses der Schüler ist bereits eine zweite Stunde in der glei­chen Klasse geplant. 

Bilder

Widderkopfterrine

Bilder 2 (hochkant)